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Eigentlich fing es damit an, dass Frank Hönsch wegen eines Staus auf der Autobahn im November 2014 nicht an einer Vorstandssitzung des Porsche Clubs Köln teilnehmen konnte. Denn just in dieser Sitzung wurden die Zuständigkeiten für die Veranstaltungen des Jahres 2015 zugeteilt. Da sich spontan keiner fand, der die alljährliche Mehrtagestour organisieren wollte oder konnte, wurde diese kurzerhand in die Verantwortung des nicht anwesenden Sportleiters Frank Hönsch gelegt.

Als der nun davon erfuhr, erklärte er selbstsicher und überzeugend: „Dann machen wir Mallorca. Dort kenne ich mich bestens aus und vor uns war noch kein anderer Porsche Club aus Deutschland dort.“ „Okay, dann mach mal, Frank“, so die einhellige Reaktion der übrigen Vorstandsmitglieder.

Zusammen mit seiner lieben Ehefrau Elke tüftelten sie ein Tourkonzept aus, das sich über 7 Tage erstreckte, deren Teilnehmer per Flieger nach Mallorca reisten und deren Autos mit dem Autotransporter auf die Insel gebracht wurden. Zugegeben keine ganz billige Angelegenheit. Und erste Bedenken wurden laut, ob sich denn dafür genügend Interessenten melden würden.

Als die Tour dann den Mitgliedern vorgestellt wurde, waren wider Erwarten alle vorreservierten 12 Doppelzimmer innerhalb weniger Stunden vergeben. Es konnten noch weitere Zimmer belegt werden, so dass schlussendlich 32 Clubmitglieder mit 17 Porschefahrzeugen das Abenteuer Mallorca wagen wollten. 14 Fahrzeuge wurden per Lkw zur Insel transportiert, 2 Fahrzeuge wurden auf der Insel gemietet und ein Fahrzeug wurde auf eigenen Rädern zur Insel gefahren.

Am 01.10.2015 ging es für die meisten Teilnehmer in aller Herrgottsfrühe vom Flughafen Köln/Bonn nach Mallorca. Dort warteten bereits Elke und Frank Hönsch und wir fuhren mit dem Bus zu unserem Hotel Sa Franquesa Nova, einem kleinen, aber sehr schicken Vier-Sterne-Hotel in der Nähe  von Felanitx. Auf dem Hotelparkplatz standen unsere Neunelfer und Boxster bereits in Reih und Glied. Welch ein schöner Anblick.

Erstmal war Frühstück angesagt und schon währenddessen schlugen unsere Organisatoren eine kleine Tour zum „Warmmachen“ vor. So testeten am frühen Nachmittag etliche Teilnehmer ihre Fahrzeuge auf Funktionstüchtigkeit bei einer kurzen Tour über ca. 55 km auf den 509 Meter hohen Puig de Sant Salvador. Der Berg ist nur zu erreichen über sehr porschefreundliche Serpentinen und gewährt oben auf der Spitze angekommen ein herrliches Panorama über die Umgebung um Felanitx.

Auf dem direkten Weg ging es zurück zum Hotel. Zimmer beziehen, frisch machen und um 20:00 h Treffen zum Aperitif mit gemeinsamen Abendessen. Vorher wurden aber noch die Roadbooks für den nächsten Tag verteilt. Gespanntes Erwarten allerseits.

Frank und Elke kündigten für den nächsten Tag, Freitag, eine große fahrerische Herausforderung an. Immerhin war die längste Strecke der gesamten Tour zu bewältigen. Also nicht zu spät ins Bett. Immerhin waren Fahrer und Beifahrer zu größter Konzentration aufgefordert.

Um 9:00 h am nächsten Morgen starteten Frank und Elke Hönsch als Führungsfahrzeug mit 15 weiteren Porsche im Schlepptau vom Hotelparkplatz. Schon jetzt sollte erwähnt werden, was über alle Tage bis auf wenige Ausnahmen real bleiben sollte: Dieser beeindruckende Fahrzeugkordon blieb mit Frank und Elke vorne und mit Achim und Andrea Classen als letztem Fahrzeug, weil diese mit einem knallroten 911er vom Führungsfahrzeug aus gut zu erkennen waren, über alle Ausfahrten fast immer zusammen. Roadbooks waren also nur selten wichtig zur Orientierung, da man sich fast immer nur an den Vordermann halten musste.

246 km kurvenreiche und teils sehr enge Straßen lagen vor den Akteuren. Die Fahrt ging vom Hotel aus über Petra, Sencelles nach Santa Maria del Cami. Von dort führte die Strecke in die Berge der Serra Tramuntana über Alaró, Orient, Esporles, Es Capdellá nach Portals Nous. Bei Gegenverkehr mussten die Fahrer ihre Fahrzeuge teilweise zentimetergenau im Griff haben. An eine porschegerechte, zügige Fahrweise war nicht zu denken.

Im Nobelhafen von Portals Nous war eine Pause vorgesehen, um die etwas müden Glieder zu bewegen und dem Körper eine angemessene Stärkung zuzuführen. Die Organisatoren hatte sich das beste Restaurant am Ort, das Tristan, für ein Dreigang-Menü ausgesucht. Aber zunächst standen Organisatoren und der Präsident dem Journalisten des Mallorca Magazins Rede und Antwort, das dieses ungewöhnliche Event medial vorstellen wollte.

Nach der Pause führte die Route zunächst nach Port Andratx und die Truppe sammelte sich am Ortseingang. Dort hatte Frank Hönsch eine Hiobsbotschaft zu vermelden. Die geplante Fahrt über Valdemossa war nicht möglich, da ein massiver Erdrutsch die Straße dorthin unpassierbar gemacht hatte. Kurzerhand wurde die Streckenführung geändert. Porschefahrer sind halt flexibel. Über Es Capdella und Calvia ging es zur Inselhauptstadt Palma, wo der dichte Feierabendverkehr die Fahrzeugschlange in kleine Grüppchen zerlegte. Von Palma fuhren die Meisten per Navi-Unterstützung auf dem direkten Weg zum Hotel.

Im Hotel tauschten Fahrer und Beifahrer bei einem Kaltgetränk Erfahrungen und Erlebnisse dieser ersten Tour aus, die allen Lust auf Mehr gemacht hatte. Um 19:00 h fanden sich alle auf der Hotelterrasse zum Aperitif und zum anschließenden Abendessen.

An nächsten Tag startete die Tour um 9:30 h. Vorher gab‘s allerdings das notwendige Briefing durch Elke und Frank und dann ging es in gewohnter Reihenfolge auf die Strecke. Diesmal sollte die Fahrt in den Süden der Insel führen.

Das erste Ziel der Kolonne war der 540 Meter hohe Puig de Randa. Dieser an einen Tafelberg erinnernde Berg hat auf seiner Spitze ein Kloster und ist nur über eine 5 Kilometer lange Serpentinenstraße zu erreichen. Spaß pur für Porschefreaks. Oben angekommen kann man einen außergewöhnlichen Rundumblick genießen.

Das nächste Ziel war direkt am Meer gelegen, der Leuchtturm am südlichsten Punkt der Insel, das Cap de ses Salines. Ein kurzer Spaziergang war vonnöten, um den Turm aus der Nähe zu bestaunen. Als weitere Ziele dieser Tour standen die Bootshäfen Porto Pedro, Cala d’Or und Portocolom im Programm. Die Porscheparade fuhr in diesen Häfen an der Mole entlang und ließ begeisterte und Beifall zeugende Menschen in den verschiedenen Cafés und Restaurants zurück. Das hat richtig Laune gemacht.

Nun war es aber höchste Zeit für einen kleinen Imbiss. Im Restaurant des Golfclubs Val d’Or  waren für uns Plätze unter einem Baldachin reserviert.  Danach ging es auf direktem Weg zum Hotel zurück.

Dort blieb wenig Zeit für Muße und Entspannung, da der Bus bereits um 19:00 Uhr wartete, der uns in das Toprestaurant Sa Sal in Porto Christo bringen sollte. Küchenchef Mario Hekke hatte für die Truppe ein Gourmetmenü vom Allerfeinsten bereitet.

Der Sonntag war dann tourfrei und bot die Gelegenheit auszuschlafen. Einige konnten sich aber der  Faszination ihres Porsche nicht entziehen und erkundeten per Auto einige touristische Highlights in der Umgebung. Andere nutzten das Wellnessangebot des Hotels, Entspannung am Pool.

Am Abend stand dann der Bus wieder bereit und wartete zur Abfahrt zum nächsten kulinarischen Highlight. Ziel war das Restaurant Es Pati in Sant Llorenc. Felix und Sarah Trappe bieten ihren Gäste keine Speisekarte zur Auswahl an. Es wird gekocht, was der Markt tagesfrisch anbietet. Und für uns hatten sie auf ihren wohlverdienten Ruhetag verzichtet. Also für uns hatte es sich in jedem Fall gelohnt. Für die beiden Inhaber wohl auch.

Für den Montag war der nächste fahrerische Höhepunkt angekündigt. Briefing um 9:00 Uhr und Abfahrt um 9:15 Uhr. Und alle waren pünktlich. Wie eigentlich immer.

Vom Hotel ging es links ab Richtung Petra und weiter über Inca zum Kloster Lluc. Von dort weiter Richtung Sa Calobra. Die Serpentinenabfahrt dorthin ist wirklich spektakulär. Halt porschegeeignet.

Und Frank hatte die Fahrt dorthin bewusst auf den Vormittag gelegt, um so den zahlreichen Bussen aus dem Weg zu gehen, die erst ab 12:00 Uhr auf die Strecke dürfen. Unten angekommen machten wir uns per pedes auf den Weg, den Torrent de Pareis zu besichtigen. Eine tatsächlich höchst sehenswerte Angelegenheit, die nur durch einen Fußgängertunnel zu erreichen ist.

Auf dem Wege zurück nach oben wollten wir natürlich nochmals die Kurventauglichkeit unserer Autos testen. Leider machten uns die zahlreich zu früh gestarteten Busse einen Strich durch unser Vorhaben. Schade. Die Strecke führte zunächst zurück Richtung Kloster Lluc und von dort nördlich Richtung Pollenca und Cap Formentor. Ziel war das Hotel Barcelo Formentor, wo auf der Terrasse für uns ein Drei-Gang-Menü serviert wurde. Ein vorzüglicher Lunch mit einem phantastischen Blick über die Bucht von Pollenca waren der angemessene Abschluss des erstens Teiles dieser Tagestour.

Nach dem Essen ging es über Port de Pollenca, Alcudia, Can Picafort und Santa Margalida zurück zum Hotel. Das Abendessen genossen wir dann im Hotel und ließen den Abend bei kühlen Getränken und Schwärmereien über die gelungene Ausfahrt ausklingen.

Am Dienstag stand schon die letzte Ausfahrt auf dem Programm. Nach dem Briefing startete der Pkw-Tross um 9:30 Uhr auf die 157 Kilometer lange Strecke. Hinter Felanitx hatte Frank einen ca. 8 km langen Streckenabschnitt durch das kleine Örtchen Son Macia eingebaut, der früher rennsportlich genutzt wurde. Wer wollte, der konnte hier sein Fahrzeugartgerecht bewegen.

Die Hafendurchfahrt durch Portocristo war wie die anderen Hafenfahrten für uns und die Zuschauer am Straßenrand spektakulär. Von dort fuhren wir zu den Tropfsteinhöhlen von Artá, wo wir eine professionelle Führung durch das Höhlenlabyrinth erleben durften. Danach ging es mitten in den touristischen Trubel von Cala Rajada. Wir fuhren über die belebte Hauptstraße, an der sich Restaurants und Geschäfte mit bunten Gummitieren für den Badespaß und allerlei Nippes aneinander reihten. Muss man gesehen haben. Aber Urlaub muss man hier nicht machen.

Von dort ging es über Artá, Sant Llorenc nach Manacor. Hinter Manacor war das Weingut Mandia Vell unser Ziel.

Hobbywinzer Winfried Hildebrand hat sich mit diesem Weingut einen Jugendtraum erfüllen können. Als 15 Jähriger hatte er an der Mosel in einem Weinberg gestanden. So etwas wollte er auch haben. Und den Mercedes, den fast jeder Winzer damals besaß. Nun hat er Weingut und Weinberge, und der 123er Mercedes steht in der Garage. Bei einer Führung konnten wir die auf allerhöchstem Niveau basierende technische Ausstattung des Weingutes bestaunen. Großer Respekt, Herr Hildebrand, für ein Weingut mit ca. 7 Hektar Rebfläche.

Eine Weinprobe rundete das Besuchserlebnis ab. Die Probe wurde begleitet durch Fingerfood und Gegrilltem, das uns von Mario Hekke vom Restaurant Sa Sal serviert wurde, dessen Kochkünste wir schon am Samstag vorher genießen durften.

Da nun auch die zweite deutschsprachige Zeitschrift Mallorcas, die Mallorca Zeitung, Wind von unserer Tour bekommen hatte, waren Reporterin und Fotografin vor Ort, um einen ausführlichen Artikel über diese ungewöhnliche Tour zu erstellen.

Auf direktem Weg fuhren wir von dort zum Hotel. Eile war angesagt, da für den Abend das letzte kulinarische Highlight angekündigt war. Der Bus fuhr die gesamte Truppe der Porschefreunde nach Portocolom in das Restaurant Colon. Patron Dieter Sögner hatte für uns ein Menü vorbereitet.

Beim Aperitif auf der Außenterrasse vor dem Lokal konnte Präsident Ferdi Drews Elke und Frank Hönsch ein kleines Geschenk als Dankeschön aller Teilnehmer überreichen. Die Teilnehmer hatten insgesamt 790 Km landschaftlich und fahrerisch äußerst reizvolle Strecken bewältigt, die von den Organisatoren hervorragend und sehr akribisch vorbereitet waren. Abgerundet wurde das Tourkonzept durch kulinarische Höhepunkte, die sich wie ein roter Faden aneinanderreihten. Alle Beteiligten waren sich einig: Diese Tour wird in die Geschichtsbücher des Porsche Club Köln eingehen und dort einen festen Platz einnehmen.

Am folgenden Tag, dem Mittwoch, fand der offizielle Teil der Tour sein Ende. Der größte Teil der Teilnehmer nahm den Flieger zurück nach Köln. Einige wollte jedoch noch die Ruhe und Abgeschiedenheit des schönen Hotels für ein paar Tage genießen und blieben bis zum kommenden Wochenende.

Elke und Frank, Euch ein ganz, ganz großes Dankeschön für diese unvergessliche Tour, von der wir bestimmt noch jahrelang schwärmen werden.

FD


08.10.2015

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